Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend in der Germaniasiedlung in Dortmund-Marten
am Freitag, 23.01. um 19.00 Uhr in der Nachbarschaftswerkstatt Meilenstein

Entritt 10 Euro, Reservierung unter info@dortmund-marten.de
Günter Rückert ist als Zeichner, Maler, Regisseur und Autor immer damit beschäftigt, die satirischen, schrägen, skurrilen und witzigen Aspekte des Lebens zu beleuchten. Seit über 40 Jahren mit seinen Bildern in Galerien, Kunstvereinen usw., als Karikaturist in diversen Publikationen und Medien, als Regisseur und Autor bei Produktionen im Bereich freies Theater (u.a. Rocktheater Nachtschicht, Geierabend, Pottrosen) kümmert er sich beruflich damit, Menschen zum Lachen zu bringen. Er ist Dortmunder, was sonst.

Damals
In den 50ger Jahren befand sich das Leben in Deutschland noch in einem Zustand, der in allen Belangen auf dem Stand der 30ger Jahre stehengeblieben war. Damals schellten Männer an der Haustür, die nur ein Bein hatten und aus einem Bauchladen Knöpfe, Schnürsenkel, Seife oder Pflaster verkauften. Der Milchmann kam mit einem Pferdefuhrwerk in die Straße und verkaufte Milch direkt aus einem großen, silbernen Tank, dazu Quark, in feuchtem Papier eingewickelten Schichtkäse und für die Schwangeren Buttermilch. Jedenfalls nahm meine Mutter diese saure Plörre immer, wenn sie in sogenannter Guter Hoffnung war. Auf den Feldern wurde mit der Sense gemäht und wenn der Frühling sich dem Ende neigte, kam der Bauer aus Oespel und lud seinen Treckeranhänger mit uns Blagen voll. Dann ging es aufs Feld zum Runkeln verziehen.
20 Pfennig pro Reihe. Bevor ich dann wieder zu Hause war, hatte ich das Geld schon für Eis und Süßigkeiten ausgegeben. Mein jüngerer Bruder sollte nichts davon abbekommen. Das war zwar nicht korrekt, aber er hat ja auch nicht den halben Tag bückend auf dem Acker verbracht. Von wegen: Du bist doch der Ältere, du bist doch schon vernünftig, gib dem quengelnden Schreihals die Hälfte ab. Drauf geschissen!
An anderen Tagen kam der alte Schwingler aus der Steinhammerstraße mit einem wackligen dreirädrigen Kleinlastwagen um die Ecke, machte mit einer kinderkopfgroßen Bimmelglocke einen zwerchfellerschütternden Lärm und schrie: Kaaaartoffelln! Kaaaartoffeln! Die wurden dann säckeweise gekauft und unter der Kellertreppe gelagert, wobei sie mit einem kalkartigen Pulver bestreut wurden, um das Auskeimen zu verhindern.
Ein dürrer Kerl tauchte ab und zu mit einem Handkarren auf, auf dem ein riesiger Klumpen rotweißen Zuckergemischs mit einer Konsistenz wie Beton lag. Davon raspelte er einzelne Streifen ab, packte sie in Tüten und verscheuerte sie als türkischen Honig. Wir liebten es. Ein anderer hatte eine mobile Maschine zum Scheren- und Messerschleifen.
Viele hatten zum Baden noch eine große Messingwanne. Das Wasser wurde kannenweise auf dem Küchenherd warm gemacht. In unserem Badezimmer hing ein Kohleofen über der Wanne, der samstags angeheizt wurde. Wir Blagen durften zuerst baden und zuletzt der Vatter. Mit dem Restwasser putze meine Mutter noch die Treppen. In der Waschküche im Keller stand ein großer Bottich, mit einer von Wasserkraft angetriebenen Rührmaschine.
























